Sylvester

chaoti
.....Paul erlebt mit seinen 11 Monaten ja seinen ersten Jahreswechsel.
Wir wohnen zwar ländlich, aber trotzdem fliegen die Knallkörper.
Tagsüber werden wir noch mal auf den Hundplatz fahren. Wir treffen uns,
um unsere Hunde toben zu lassen.

Zu Hause ist es für uns ein Tag wie jeder andere....so wollte ich mich
auch Paulchen gegenüber verhalten.

Wie reagiere ich aber auf einen eventuell ängstlichen Paule?

Bis jetzt kenne ich nur ignorieren, was mir aber total widerstrebt.

Bei Gewitter reagiert er nicht ängstlich

Mein 1. Havaneser Tony war taub, dem war Gewitter und Knallerei schnuppe.

Wie verhaltet ihr euch denn?
Thaleia
rotes Gesicht ich hab das Problem zum Glück nicht. Cali findet Sylvester toll Irre Der steht mit den Vorderpfoten auf der Balkonbrüstung und guckt sich die bunten Lichter an amkopfkratz

Ich würde zur Sicherheit Rescue-Tropfen kaufen - falls die Motte doch Angst kriegen sollte. Und viel Ablenken, evtl. mit Futter, Kau- oder Spielzeug, dass er das Geknalle auf jeden Fall positiv verknüpfen kann.
manurtb
Ignorieren ist das blödeste, was man machen kann.
Dadurch wird die Angst ja nicht besser, der Hund kapiert nur: Wenn es knallt, dann kümmert sich mein Mensch nicht um mich...

Kannst Du trainieren? Eventuell mal an einem Schiessstand vorbeigehen, wenn geschossen wird und schauen, wie Dein Hund reagiert?
Ich würde versuchen, das knallen, wenn es geht, positiv zu belegen. Also, es knallt und danach gibts was ganz tolles...
Clickert ihr? Das kann man sehr gut verwenden damit...
Wegwarte
Hallo Sabine,

Betty´s erste zwei Jahreswechsel bei uns waren schrecklich. Sie hatte schon Tage zu vor, wenn es immer wieder knallte, panische Angst.

Wir haben geübt wie die Manu es beschrieben hat. Bei jedem Geräusch, das ihr Angst machen könnte (sie war extrem geräuschempfindlich) kam sofort C&B und ich muss sagen, dass sich das ganz toll gebessert hat. Letztes Jahr verschlief sie Silvester sogar. Ich lege immer ganz besonders gute Kausachen parat und falls sie wach wird oder auf Geräusche reagiert an Silvester, reiche ich ihr etwas Gutes.
Damit sind wir sehr gut gefahren.
Ferdility2
Clickern würd ich überhaupt nicht, allerdings würd ich Manu auch in gewisser Weise zustimmen. Ignorieren bringt gar nichts, verunschert den Hund nur zusätzlich.
Ich denke, man sollte sich der Sache ganz natürlich nähern. Ein gewisses Maß an Trost und Mitgefühl, aber dann auch ermutigen zum selbst erkunden. Ein Patentrezept gibt es wohl nicht, rumgecklicker in der Silvesternacht hat mich um Jahre zurück geworfen.

Man muss die Not der Hunde begreifen und dann auch angemessen darauf reagieren. Die Angst ist massiv und das muss ich als Halter ernst nehmen. Also biete ich zunächst mal Schutz, bis der Hund wieder etwas entspannt. Dann fordere ich aber auch Konfrontation ein. Das alles in ganz feinen, sachte abgestuften Schritten. Ist nichts anderes wie bei einem kleinen Kind, das man zunächst mal in den Arm nimmt, dann aber doch mit ihm nach draussen geht. "SChau mal her, so schlimm ist das doch gar nicht". Wenn der Rahmen stimmt, akzeptiert das auch der Hund.

lg Klaus
Gerd
Hallo!

Sylvester finde ich auch total schwierig. Mann kann es irgendwie nicht richtig üben!
Wenn ein Hund sensitiviert gegenüber den Böllergeräuschen ist, wird es schwierig. Aber auch wenn ein Hund zunächst keine Angstreaktionen zeigt, kann die Reizüberflutung durch viele viele Böller um 12 Uhr den Hund sensitivieren und stark stressen!

Ich würde die Tage zuvor noch versuchen zu üben! Es wird ja meist vorher schon geböllert, allerdings nicht so intensiv und lange!

Also mit dem Hund spazieren gehen, und wenns knallt Gegenkonditionieren! Durch die wenig intensive Böllerrei könnte auch eine Densensibilisierung eintreten! Kommt natürlich auf den Hund an!!!

Ansonsten manage ich die Nacht, denn wenn der Hund voll im Stress ist hilft die Gegenkonditioniurung nur noch bedingt, dafür dauert der ganze Spuck auch zu lange und da ja erst wieder 365 Tage Später das nächste Sylvester ansteht, ist es schwierig effektiv an dem Problem zu arbeiten!
Managen heißt für mich auch die Anwendung von Rescue Tropfen und DAP Spray und das nutzen einer Box!

Liebe Grüße

Gerd
chaoti
Guten Morgen,

vielen Dank für eure Antworten. Ans Clickern hab ich auch schon gedacht,
aber clicker ich nicht ein Verhalten, welches der Hund mir anbietet?

Würde das nicht bedeuten, ich beclickere Angst oder Panik?

Ignorieren will ich nicht, ich will ja, dass mein Hund mir vertraut.

Als Welpe hat er gelernt, er kann jeder Zeit zu mir kommen und das gilt
ja auch weiterhin.

Rescue Tropfen werd ich ein paar Tag vorher geben!
Klexi
Guten Morgen!
Ich habe ja leider auch so eine Kanditatin, allerdings wohnen wir zum Glück so einsam, dass hier nicht direkt vor der Tür geböllert wird. Im letzten Jahr war ich froh, dass Maya um 17 Uhr noch mal raus ist. Danach war nix mehr zu machen. Da ist auch nix mit "komm wir gehn mal draußen gucken, ist doch gar nicht so schlimm" die bleibt drin.
Ich würde mich auch mit Clicker, Kausachen, Kong, Leckerchen bewaffnen, wenn Paul denn dann noch was nehmen kann.
Wenn bei mir in der Pension ein Hund mit Gewitterangst ist habe ich immer ein Tuch mit DAP parat.
Max und Pepper haben zum Glück kein Problem mit der Knallerei. Das wünsch ich dem Paul auch.
Hat er eine Rückzugsmöglichkeit, Zelt, Box, hinters Sofa?

LG Klexi
ignorieren ist doof Schlaumeier1
Gerd
Hallo Sabine,

wenn der Hund das Geräusch des Clickers positiv empfindet und ihn ihm eine freudige Erwartung auf eine Belohnung weckt, kannst Du damit keine Angst oder Aggression verstärken. Es stehen sich quasi zwei Emotionen gegenüber. Die Angst und die freudige Erwartung!

Wenn ein Böller knallt und Du gibts ihm in SEHR kurzem Abstand etwas angenehmes, z.B. Futter, haben wir gute Chancen, dass der Knall das Futter verhersagt, also entsprechend positiv belegt wird!
Sehr wichtig ist dabei die zeitliche Abfolge, am besten unmittelbar danach und die Häufigkeit. Also 20x Knallen und nur einmal Futter wird nicht so viel bewirken wie 20x Knallen und 20x Futter! Anstatt die Belohnung direkt zu geben kann man auch einen Clicker verwenden, sofern der gut konditioniert worden ist, quasi als Brücke!

Dies würde ich an den drei Tagen vorher, wenn schon hier und da mal geknallt wird, üben! In der Sylvesternacht selber wird die Reizdichte zu groß sein!

Aber mal konkret. Wenn Dein Hund nicht sensibel auf Geräusche reagiert, würde ich nicht großartig üben! Wenns knallt und er bleibt cool, würde ich ihn loben und weitergehen.

Problem ist, wie gesagt, die Reizdichte um 12 Uhr. Ein Knall kann einen Hund viellleicht noch nicht schocken, aber innerhalb von 5 Minuten 300 können ihm stark zu schaffen machen! Aber das kannst Du ihn auch nicht beibringen, da Cool zu bleiben.

Mein Spike war absolut Schussfest, bis ihn ein paar Chaoten beim Schnüfflen einen Böller vor die Füße geworden haben! Er war nicht darauf vorbereitet und hat sich stark erschrocken. Seitdem reagiert empfindlicher auf laute Geräusche und verzieht sich!

Rescuetropfen wirken, wenn man sie entweder kurz vor dem Ereignis gibt bzw. direkt im Anschluß des Schrecks. Meinen Hundis gebe ich so ca. 10-15 Minuten vorher etwas und dann nochmal etwas später! Ablenken mit tollen Sachen wie Kong etc. ist eine gute Idee!

LG

Gerd
Dahra
Zitat:
Original von chaoti
Guten Morgen,

vielen Dank für eure Antworten. Ans Clickern hab ich auch schon gedacht,
aber clicker ich nicht ein Verhalten, welches der Hund mir anbietet?

Würde das nicht bedeuten, ich beclickere Angst oder Panik?



Nein, du beclickerst nicht Angst oder Panik. Der Clicker ist für den Hund mit positiven Emotionen verbunden: Positive Emotionen und Angst passen nicht zusammen, du arbeitest also mit Gegenkonditionierung. Auf das Geböller folgt für den Hund eine angenehme Konsequenz, eine angenehme Konsequenz macht Angst nicht schlimmer. Hättest du mehr Angst vor Spinnen, wenn dich beim Anblick jemand in den Arm nimmt und dich tröstet? Wohl eher nicht... smile
Man muss einfach aufpassen, dass der Hund das, was nach dem Knall folgt auch wirklich als positiv empfindet. Manche Hunde empfinden Körperkontakt (festhalten, drüber beugen) in Situationen wo sie ohnehin schon aufgeregt sind als bedrohlich: Das ist dann kontraproduktiv. Andere Hunde können sich durch Körperkontakt prima entspannen - es kommt also ganz auf den Hund an, für welche Maßnahmen ich mich entscheide.

Maya erlebt dieses Jahr ihr zweites Silvester. Letztes Jahr hat sie keine äußeren Anzeichen von Angst gezeigt. Ich habe nicht wirklich viel geklickert, als es losging mit dem Geknalle, aber wir haben währenddessen gespielt, Leckerchen-Suchspiele gemacht und gekuschelt.

Zitat:
Original von Gerd


Aber mal konkret. Wenn Dein Hund nicht sensibel auf Geräusche reagiert, würde ich nicht großartig üben! Wenns knallt und er bleibt cool, würde ich ihn loben und weitergehen.

Gerd


Bei einem Hund, der Silvester das erste Mal erlebt, würde ich trotzdem üben. Weil ich nicht weiß, ob nicht vielleicht doch eine shwache Angstreaktion abläuft, die ich äuerlich gar nicht erkenne. Vorsorge ist besser als ein zweites Silvester, bei dem der Hund dann "urplötzlich" Angst zeigt.
Thaleia
Guck mal hier:

http://www.vetion.de/taspezial/detail.cfm?aktuell_id=4130

Es gibt eine CD mit Sylvestergeräuschen um das zu Üben bzw. dem Hund vorher die Angst zu nehmen. Da steht aber, dass man das Monate vorher schon üben soll.
tamina
Hi,

und man kann bei der Arbeit mit solchen CDs auch gut Mist bauen Zwinker
Davon abgesehen können Hunde schon gut unterscheiden wo der Krach herkommt, es fehlt ja auch das ganze "Geschepper".

lg Martina
Thaleia
Zitat:
Original von tamina

und man kann bei der Arbeit mit solchen CDs auch gut Mist bauen Zwinker


Ajo, das ist klaro rotes Gesicht

Es ist einfach ne schwierige Situation. Vor allem wenn man vorher so gar nicht weiss, wie der Hund reagiert.
filotta
mit der cd hab ichs auch bei taiko probiert, der hob bei den geräuschen nicht mal den kopf unglücklich , an silvester aber ist er leider immer noch der absolute paniker.

seit ich ihm kurz vorher melatonin gebe, ist es ein bisschen besser geworden, deswegen werde ich es auch dieses jahr wieder anwenden.
manurtb
Zitat:
Original von chaoti
Ans Clickern hab ich auch schon gedacht,
aber clicker ich nicht ein Verhalten, welches der Hund mir anbietet?

Würde das nicht bedeuten, ich beclickere Angst oder Panik?

Nein, da musst Du Dir keine Gedanken machen. Clickern hat ja nicht nur die Belohnungskomponente, sondern auch eine Veränderung der Stimmung.

Stell Dir vor, Du hättest totale Angst und ich würde mit Dir clickern und Dir Schokolade geben. Würdest Du dadurch mehr Angst oder Panik bekommen?
Genauso ist es auch beim Hund.

Ich clicker eigentlich wenig Tricks, sondern das meiste ist bei uns Verhaltensclickern. Mein Hund ist ja ein Fremdenfeind, d.h. ich clicker auch, wenn mein Hund Fremde Menschen anknurrt, die sich uns nähern. Damit hat sie gelernt, dass die Leute in Ordnung sind, dass sie sich bei mir eine Belohnung abholen kann und nicht etwa, dass sie böser gegenüber fremden Menschen wird.
Und wenn sie jetzt mehr knurren würde (was sie aber nicht tut), dann wäre das auch nicht weiter schlimm, weil die Emotion dahinter eine andere ist, wenn man das als 'Ich bekomm was dafür, wenn ich das mache' sieht.
Ferdility2
Zitat:
Nein, da musst Du Dir keine Gedanken machen. Clickern hat ja nicht nur die Belohnungskomponente, sondern auch eine Veränderung der Stimmung.
Ich finde schon, dass man sich da Gedanken machen sollte, was denn nun bestärkt wird. Es wird eben nicht nur ein Verhalten bestärkt, sondern auch ein emotionaler Zustand. Und wenn dieser "PANIK!" lautet, würd ich nicht clickern

Zitat:
Stell Dir vor, Du hättest totale Angst und ich würde mit Dir clickern und Dir Schokolade geben. Würdest Du dadurch mehr Angst oder Panik bekommen?
Was fängt wohl jemand mit einem Stück Schokolade an, der echte Panik hat? Der kriegt nicht mal einen Bissen runter.

Was man machen könnte, wäre nach dem Click eine Bestärkung zu suchen, für die der Hund in dem Moment empfänglich ist. Hier wäre das
-B, das Entfernen vom Feuerwerk z.B. Fenster schliessen, Rolläden runter lassen, falls das hilft. Lässt sich aber an Silvester schlecht umsetzen. Es wird ja überall geknallt.

lg Klaus
Thaleia
Zitat:
Original von Ferdility2
Was fängt wohl jemand mit einem Stück Schokolade an, der echte Panik hat? Der kriegt nicht mal einen Bissen runter.


Das stimmt - Cali kann ich solchen Situationen nichts nehmen rotes Gesicht Ich muss ihn aus der Situation rausnehmen, damit er runter kommt, wenn er richtig hochdreht.

Solange der Hund aber fressen kann, ist das Clickern doch eine gute Alternative.
tamina
Hallo,
Zitat:
Original von Ferdility2
Es wird eben nicht nur ein Verhalten bestärkt, sondern auch ein emotionaler Zustand. Und wenn dieser "PANIK!" lautet, würd ich nicht clickern


Das ist doch das Geheimnis der Gegenkonditionierung. Ich schwäche eine negative Emotion durch Zufügen einer positiven ab! Ich kann "PANIK" nicht durch das Zufügen einer FÜR DEN HUND! positiven Emotion verstärken.

Zitat:

Das stimmt - Cali kann ich solchen Situationen nichts nehmen Ich muss ihn aus der Situation rausnehmen, damit er runter kommt, wenn er richtig hochdreht.

Solange der Hund aber fressen kann, ist das Clickern doch eine gute Alternative.

Wenn der Hund nach dem Click aus der Situation als Belohnung herausgenommen wird, dann ist das die Belohnung und ich brauche nicht mit Keksen um mich werfen, die dem Hund in diesem Moment total schnurz sind. Zwinker

Martina
Thaleia
Ist da der Zeitraum zwischen dem Click und der "Belohnung" nicht zu gross? Das dauert ja mitunter ein paar Minuten, bis wir aus solchen Situationen raus sind. Deswegen gibts da bei mir auch kein Klick - sonst wartet er ja ewig, bis die Belohung kommt. Kann er das dann noch verknüpfen oder baut sich da schon Frust auf dann?
Ferdility2
Zitat:
Das ist doch das Geheimnis der Gegenkonditionierung. Ich schwäche eine negative Emotion durch Zufügen einer positiven ab! Ich kann "PANIK" nicht durch das Zufügen einer FÜR DEN HUND! positiven Emotion verstärken.
Drum klappt's ja so oft auch nicht mit der Gegenkonditionierung, weil der Reiz bereits viel zu groß ist. Dem Silvesterfeuerwerk kannst Du dich nicht langsam annähern und genau den Moment abpassen, in dem der Hund sich noch wohl fühlt und dann positive Emotionen hinzufügen (ob mit oder ohne Clicker). Nur dann aber macht die Gegenkonditionierung überhaupt Sinn.

Das Silvesterfeuerwerk kommt aber ganz massiv daher und die Wohlfühlgrenze ist für den Hund längst überschritten. Da ist nichts mehr mit Gegenkonditionieren.

Wie gesagt, ich würd hier die Clickerei komplett lassen und dem Hund soviel Trost wie nötig zukommen lassen.

lg Klaus