manurtb
So, das ist mir letztens passiert und ich hab noch sortieren müssen.
Ich lauf so hinter jemandem mit Hund her. Der Hund ist halt nicht so ganz aufermerksam, schaut mal hierhin, schaut mal dorthin, zieht sich irgendeinen Müll von der Strasse und der Mensch dazu wird immer ungeduldiger und der Hund wird immer schlimmer angemacht.
Ich hab dann den Menschen mal gefragt, warum er so reagiert und nachdem er mir dann gesagt hat, dass der Hund ruhig spüren darf, dass er verärgert ist und er auch keine Lust hat, wenn er sauer ist, irgendeinen Firlefanz zu veranstalten, habe ich verständnisvoll getan (nicht dass der seine sadistische Ader noch mehr an dem Hund auslässt) und bin dann abgebogen.
Ich hab lang drüber nachgedacht, warum es Menschen bei ihren Hunden so schwer fällt, eine halbwegs professionelle Distanz zwischen dem Verhalten und dem Tier selbst zu haben. Bei den Kindern haben es viel mehr Menschen, wie bei den Hunden.
Ich hab dann mal ein bisschen rumgeschaut, ob ich was finde und bin dann darauf gestoßen, dass es die Übernahme von eigenen Kindheitserlebnissen sein könnte. Also, dass der Mensch als Kind auch sehr für seine Taten bestraft worden ist, von Eltern, die das dann auch noch genossen haben.
Und da man heutzutage dies bei Kindern nicht mehr so ohne weiteres akzeptiert, wird das halt bei den Hunden gemacht, weil da die gesellschaftliche Entwicklung einfach noch hinterherhinkt und auch durch viele Hundeschulen und Vereine ja noch das Thema: Da musst Du ihm mal zeigen, wo der Hammer hängt - salonfähig ist.
manurtb
Ganz vergessen:
Was denkt ihr darüber?
memo
Hmmm, ich denke, die Gründe für so ein Verhalten können vielseitig sein.
Ich bin auch schon mal von meinen Hunden genervt und ich schimpfe auch mal, wohl wissend, dass das keine Erziehungsmaßnahme, sondern Ärger abreagieren ist. Das schreibe ich mir allerdings selbst auf die Fahnen und sage nicht: Mein Hund darf ruhig wissen, dass ich sauer bin.
Das gleiche gilt auch für meine Kinder.
Aber ich könnte mir vorstellen, dass es für viele Hundehalter ungleich schwieriger ist, draußen die Contenance zu bewahren als drinnen. Denn draußen hat man Zuschauer. Und wenn der eigene Hund sich dann daneben benimmt, dann ist ganz schnell ganz viel Druck da, dieses Verhalten irgendwie zu unterbinden.
Die Strafe, die der Hund dann bekommt, ist dann oft entweder Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit oder eine Hommage ans Publikum.
Ist doch auch so, wenn man mit den Kids in ein Restaurant geht und sie sich dort eben so benehmen wie Kinder das manchmal tun. Wieviele Eltern sehen sich da unter Druck?
(Ich hab da übrigens Glück, meine Kids benehmen sich in der Öffentlichkeit *puh*...

)
claudiaspike
Hallo Manu,
das mit dem gesellschaftlichen Druck kenne ich leider auch nur allzu gut. Da reagiere ich auch oft anders und heftiger, als wenn Spike und ich alleine auf weiter Flur sind. Wird aber im Laufe der Zeit besser, wenn man es sich selber bewußt macht.
Und manchmal, nach dem x-ten negativen Erlebnis, gehen mir die Nerven durch. Aber das ist dann ein Zeichen dafür, dass der Spaziergang einfach zu lang war für unsere nervliche Kondition.
Liebe Grüße
Claudia + Spike
manurtb
Ich kann das nicht so wirklich nachvollziehen, weil ich durch meinen Großvater immer dazu gebracht worden bin, dass ich mich für das einsetze, was ich für richtig erachte, egal, was die anderen dazu sagen.
Auch wenn es indiskret ist, frage ich trotzdem Claudia: Kann das mit dem Druck mit Deiner Erziehung zusammenhängen?
Thaleia
Ich denke, dass es auch damit zusammen hängt, dass viele denken, der Hund tut das um den Halter zu ärgern. Ging mir ja früher ähnlich, wo ich immer dachte "das macht der jetzt extra". Das ist natürlich völliger Quatsch - aber dessen muss man sich als Halter erstmal bewusst werden.
Wegwarte
Ich würde aus meiner Sicht mal sagen, dass es zwei Punkte sind: Zum einen eine gewisse - vielleicht nicht nur anerzogene - Veranlagung mancher Menschen, auch mal laut und/oder handgreiflich zu werden und zum zweiten die nach wie vor verbreitete Denke, dass es gerade bei Hunden essentiell wichtig ist, ihnen zu zeigen wer hier der Chef ist, weil sie einem ansonsten auf der Nase herum tanzen.
Mir geht es übrigens wie Claudia: Ich verhalte mich anders, wenn Menschen in meiner Umgebung sind, die das was ich mache lächerlich finden. Weder wird die Betty dann angeschrien noch geruckt oder sonstwas, aber ich bin gehemmter und kann sie nicht so unterstützen wie ich es sonst machen würde. Obwohl es immer besser wird.
Ob es an meiner Erziehung liegt, weiß ich nicht. Ich bin insgesamt kein super selbstbewusster Mensch.
Anja E.
| Zitat: |
Original von Wegwarte
Ich würde aus meiner Sicht mal sagen, dass es zwei Punkte sind: Zum einen eine gewisse - vielleicht nicht nur anerzogene - Veranlagung mancher Menschen, auch mal laut und/oder handgreiflich zu werden und zum zweiten die nach wie vor verbreitete Denke, dass es gerade bei Hunden essentiell wichtig ist, ihnen zu zeigen wer hier der Chef ist, weil sie einem ansonsten auf der Nase herum tanzen.
Mir geht es übrigens wie Claudia: Ich verhalte mich anders, wenn Menschen in meiner Umgebung sind, die das was ich mache lächerlich finden. Weder wird die Betty dann angeschrien noch geruckt oder sonstwas, aber ich bin gehemmter und kann sie nicht so unterstützen wie ich es sonst machen würde. Obwohl es immer besser wird.
Ob es an meiner Erziehung liegt, weiß ich nicht. Ich bin insgesamt kein super selbstbewusster Mensch. |
Dem kann ich mich nur anschließen.In meiner Umgebung ist kaum jemand,der "hundemäßig" so denkt wie ich.Es ist wie Anja schon schrieb,dass ich von den meisten zu hören bekomme,dass Anoki mich nicht ernst nimmt und mir auf der Nase rumtanzt.Wenn ich ihm einmal richtig Bescheid geben würde,wüßte er Bescheid.
Mittlerweile stelle ich mich vor meine Hunde/Anoki,fühle mich aber arg unter Druck gesetzt,wenn ich versuche Anoki in fremder Umgebung zu entspannen und dann solche Sprüche zu hören bekomme.
Woran es liegt?Keine Ahnung - bin aber aufgrund eher harmoniesüchtig und setze zwar meine Vorstellungen durch und steh zu meiner Haltung,sowie wir unseren Kindern auch immer Rückgrat und Einstehen für eine eigene Haltung vermittelt haben,versuche aber auch niemanden zu verletzen oder vor den Kopf zu stoßen,was eben manchmal unumgänglich ist.Das fällt mir sehr schwer - obwohl ich für meine 3 Kids und den Indianer zur "netten Löwin" werden kann.
Liebe Grüße
Auch eine Anja mit Anoki
Dahra
Ich wurde eigentlich ziemlich gewaltfrei erzogen. Ich kann mich an eine saftige Schelln von meinem Papa erinnern, als ich den Teppich im Flur mit dem Wäschesprenger schöööön nass gemacht hab.

Die war deftig und die vergess ich ihm auch nicht.

(Verziehen hab ich sie ihm aber schon.)
Ich neige auch dazu, wenn ich mich ärgere laut zu werden. Allerdings dauert es bei den Hunden wesentlich länger bis ich mich ärgere als bei Menschen, die mir nahe stehen. Bei Bekannten und Fremden schlucke ich eigentlich immer nur, mir fällt es auch schwer nein zu sagen.
Dass mir meine Art wie ich mit den Hunden umgehe nicht mehr peinlich ist und dass ich mich auch nicht von anderen Leuten unter Druck setzen lasse war ein ziemlich langer Lernprozess für mich. Mir war das früher SO unangenehm, wenn Emma jemanden verbellt hat...

Heute ist das anders: Egal was die Biester verbrechen, ich muss IHNEN danach noch in die Augen schauen können, was andere Leute davon halten ist mir grad egal.
Klar passiert es mir auch mal, dass ich eine der Damen anranze, zum Beispiel wenn mir das Emma-Tier wieder vor lauter Leckerchengier in die Finger beißt. Das ist dann meistens dann ein Reflex und ich übe noch das zu unterdrücken.
Thaleia
| Zitat: |
Original von Dahra
Ich wurde eigentlich ziemlich gewaltfrei erzogen. Ich kann mich an eine saftige Schelln von meinem Papa erinnern, als ich den Teppich im Flur mit dem Wäschesprenger schöööön nass gemacht hab.
Die war deftig und die vergess ich ihm auch nicht.
(Verziehen hab ich sie ihm aber schon.)
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BÖSE MARIA
Ziemlich gewaltfrei klingt auch geil irgendwie *g*
Der soll froh sein, dass Du ihm nicht auf den Teppich gepinkelt hast

NACH der Schelln - aus Trotz!
claudiaspike
Hallo Manu,
hat sicherlich was mit meiner Vergangenheit zu tun. Seit ich mir sowas bewußt machen kann, wird es auch deutlich besser.
Übrigens funktioniert es auch umgekehrt: Wenn Menschen um mich sind, von denen ich weiß, dass sie ähnlich trainieren wie ich und wissen, wie es einem geht, kann ich viel besser mit schwierigen Situationen umgehen. Vielleicht ist das auch einer der Gründe für den Seminar-Vorzeige-Spike.
Bleibt noch viel zu tun
Liebe Grüße
Claudia + Spike
joki
Hi,
bei mir ist/war es eher so, dass ich unauffällig durch die Gegend laufen wollte und der Joker eher der "laute" Typ is. Das is schlecht zu vereinbaren.
Und dann eben die Erwartungshaltung der anderen, die mit diesen tollen Ratschlägen daneben standen.
*seufz*
Wir haben beide dazu gelernt.
Anraunzer aus Reflex gibts noch bei schmerzhaften Remplern.
Ich arbeite dran.
Sowohl an den Remplern als auch an meiner Impulskontrolle.