Dahra
Hallo ihrs,
hier nun der versprochene Faden zum Thema Entspannung. Ich hoffe, dass der ein oder andere einen Nutzen für sich und seine(n) Hund(e) daraus ziehen kann.
Konditionierte Entspannung im Hundetraining
Es gibt verschiedene Wege Entspannung auszulösen und das Tollste ist, dass man den entspannten Zustand sogar konditionieren kann. Ich kann Entspannung also auf ein akustisches, ein optisches oder ein taktiles Signal und sogar auf einen Geruch hin auslösen.
Ziel der Entspannung in kritischen, aufregenden oder angstauslösenden Situationen ist immer nur den Hund wieder ANSPRECHBAR zu machen, der Hund soll und wird nicht relaxt auf die Seite kippen und wohlig grunzen, wenn er ein Entspannungssignal (auch unterbewusst) wahrnimmt, wenn er gerade tösend in der Leine hängt, weil er seinen Todfeind erblickt hat. Aber die Chancen sind gut, dass der Hund nach richtigem Aufbau des Signals (oder der Signale) zumindest wieder ansprechbar wird und ich dann ein Alternativverhalten abfragen kann, das ist der eigentliche Knackpunkt. Das Entspannungstraining dient also nicht dazu, dass ich einen dauerentspannten Hund mit mir durchs Leben schweben lasse (das funktioniert leider nicht), sondern es ist ein Hilfsmittel um Training möglich zu machen und manchmal auch um aus wirklich schlimmen Situationen nicht total hilflos und demprimiert herauszugehen.
Nutzen kann man die antrainierte Entspannung in ALLEN Situationen in denen der Hund so hoch erregt ist, dass einfach gar nichts mehr geht. Es ist egal ob das nun Jagen, Angst oder Aggression ist, ob der Hund beim Spielen zu sehr hochfährt oder vor Freude über Besuch oder den besten Hundekumpel total aus dem Häuschen ist.
So, dann los, die verschiedenen Möglichkeiten Entspannung zu verknüpfen und anschließend auszulösen:
Konditioniertes Entspannungssignal
Der entspannte Zustand des Hundes wird mit einem Signalwort verknüpft. Mit dem Aufbau dieses Signals beginnt man am besten in der Wohnung (wie bei allen Signalen: Zuerst keine Ablenkung, dann langsam steigern). Man hat zwei Möglichkeiten dieses Signal aufzubauen: Entweder aktiv, das heißt ich bringe meinen Hund durch streicheln, massieren, etc. dazu, sich zu entspannen oder aber man wartet, dass der Hund sich von selbst entspannt. Wenn man beide Arten des Aufbaus nutzen möchte, verwendet man auch das gleiche Signal, beide Aufbauarten haben ja das leiche Ziel.
Bei der Auswahl des Aufbaus muss man auf sehr auf den Hund achten: Es gibt Hunde, die sich durch Berührungen nicht entspannen können, sondern sich noch mehr aufregen! Bei solchen Hunden lässt man den aktiven Aufbau des Entspannungssignals bleiben und man bautdas Signal rein passiv auf. Es gibt auch Hunde bei denen funktioniert gar nichts von beidem, weil sie durch Berührungen nicht entspannen und beim Aussprechen des Signals schon wieder aktiv werden. Bei solchen Hunden kann man die Entspannung dann z.B. mit einem Geruch oder einer bestimmten Decke verknüpfen, dazu unten mehr.
Als Entspannungssignal eignen sich Wörter, die sich dumpf und lang gezogen aussprechen lassen, z.B. „ruuuuuuuhig“, „schlaaaaaafen“.
Passiver Aufbau
1. Der Hund kommt zur Ruhe und legt sich hin.
2. Auf Zeichen der Entspannung achten, wie zum Beispiel Seitenlage oder tiefes Seufzen.
3. In diesen Zustand hinein das Entspannungssignal sagen.
4. Den Hund dabei besser nicht direkt ansehen, manche Hunde werden dadurch wieder aktiv, weil sie sich angesprochen fühlen.
5. Wiederholen des Signals, wann immer der Hund sich entspannt.
6. Nach ca. 20 bis 30 Wiederholungen kann man das Signal in aufregenden Situationen anwenden.
7. Das Signal zu Hause immer wieder aufladen, um zu vermeiden, dass die Verknüpfung sich umkehrt und das Signal eine Ankündigung für Aufregung wird.
Aktiver Aufbau
1. Man beginnt damit, den Hund ruhig und fest zu streicheln und zu massieren.
2. Dabei genau darauf achten, ob die Berührungen dem Hund zu mehr Entspannung verhelfen; ist das nicht der Fall kann man die Art der Berührung verändern und herausfinden, was dem Hund wirklich gefällt und ihn entspannen lässt.
3. Sobald man merkt, dass der Hund sich entspannt, sagen man das Entspannungssignal, am besten ist es, wenn man den Hund in die Seitenlage streicheln/massieren kann (der Hund soll selber umkippen, nicht umgekippt werden!)
4. Rest, siehe Passiver Aufbau.
Konditionierte Entspannung über Geruch
Der entspannte Zustand des Hundes wird mit einem speziellen Duft, der auf ein Halstuch aufgebracht wird, verknüpft. Wissenschaftlich erwiesen ist eine beruhigende Wirkung der ätherischen Öle von Lavendel, Kamille und Rose. Es kann auch jeder andere Duft mit Entspannung verknüpft werden, bei genannten Ölen hat man einfach eine zweifache Wirkung.
Wichtig ist, dass das verwendete Öl aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) stammt, damit geht man sicher, dass keine Schwermetalle oder Pestizide enthalten sind, die den Hund ggf. schädigen könnten, falls er das Öl ablecken sollte. Außerdem muss das Öl dringend verdünnt werden, ansonsten wird die Hundenase gequält und das ist der Entspannung nicht gerade zuträglich.
Verdünnen kann man das Duftöl mit neutralem Öl, wie zum Beispiel Raps-, Mandel- oder Sojaöl. Als Faustregel gilt: Ein Tropfen Duftöl auf zehn Tropfen neutrales Öl.
Der Aufbau des Dufttüchleins entspricht dem, des Entspannungssignals, nur dass man nicht das Entspannungswort sagt, wenn der Hund sich entspannt oder man ihn in die Entspannung gebracht habt, sondern ihm das Tüchlein in die Nähe des Kopfes legt. Nach etwa zwei Wochen und mindestens zweimal pro Tag, sollte die Verknüpfung zwischen Geruch und Dufttüchlein stattgefunden haben.
Das Tüchlein kann nun zum Beispiel bei Tierarztbesuchen oder Stadtspaziergängen genutzt werden.
Des Weiteren bietet das Tüchlein auch die Möglichkeit Hunde zu unterstützen, die Probleme mit dem Alleine bleiben haben. An die zwei Wochen Konditionierung der Entspannung wie oben beschrieben, schließen sich zwei weitere Wochen an, in denen der Hund lernt, dass sich nun niemand mit ihm beschäftigt:
Aufbau
1. Man legt dem Hund das bereits mit Entspannung verknüpfte Dufttüchlein um.
2. Ab diesem Zeitpunkt wird der Hund vollkommen ignoriert, d.h: Der Hund wird nicht angeschaut, nicht angefasst, nicht angesprochen!
3. Sobald der Hund sich zur Ruhe legt oder sich selbst beschäftigt (z.B. mit Kauartikeln) wird er noch mindestens eine weitere halbe Stunde ignoriert.
4. Wenn man sich wieder mit dem Hund beschäftigen möchte, nimmt man das Dufttüchlein ab und verpackt es am besten in einem Plastikbeutel mit Reißverschluss.
5. Nach Ablauf der zwei Wochen legt man dem Hund das Tüchlein an, wann immer er alleine gelassen wird.
Wenn man das Dufttüchlein für das Alleine bleiben des Hundes nutzen möchten, sollten man sich für andere Situationen (wie oben beschrieben z.B. Tierarztbesuch) zusätzlich einen anderen Duft aufbauen, damit der Duft für das Alleine bleiben seine eindeutige Bedeutung behält.
Geschirrgriff
Entspannung wird mit einem Griff in das Brustgeschirr des Hundes verknüpft. Das ist vor allem bei Aggressionsverhalten von großem Vorteil. Der Hund lernt den Griff in das Geschirr als etwas Positives kennen, konditionierte Entspannung wird ausgelöst und man kann den Hund sicher festhalten ohne die Erregung, die durch körperliche Einschränkung im Normalfall entsteht, auszulösen. Der Aufbau gliedert sich in zwei Phasen. In Phase 1 lernt der Hund zunächst nur, dass der Griff in das Geschirr nichts Schlimmes ist. In Phase 2 wird dann der entspannte Zustand noch miteinbezogen.
Aufbau
Phase 1
1. Man kündigt den Griff in das Brustgeschirr durch ein Signalwort an, z.B. „Geschirr“ oder „halten“.
2. Unmittelbar nach dem Signalwort (das ist ganz wichtig, erst Signal, dann reingreifen, damit die Verknüpfung richtig hinhaut) greift man in das Brustgeschirr des Hundes und hält ihn kurz fest.
3. Dann gibt man das Markersignal (wer damit nicht arbeitet lässt es eben weg) und belohnt den Hund mit einem Leckerchen, während man den Hund noch festhält.
4. Den Hund erst loslassen, wenn er das Leckerchen aufgegessen hat!
5. Dann langsam die Zeit des Festhaltens steigern; dabei kann man den Hund auch mit einem Keep-Going-Signal unterstützen (wer dazu was wissen will, bitte melden, das sprengt jetzt den Rahmen) bis er das Markersignal und die Belohnung bzw. nur die Belohnung bekommt.
6. Diese Verknüpfungssequenz mindestens 200 Mal wiederholen (hört sich irre viel an, geht aber ziemlich schnell, wenn man das nebenbei immer wieder über den Tag verteilt macht, +/- 10 Tage) , erst dann geht man zu Phase 2 über.
7. Viele Hunde orientieren sich nach erfolgreicher Verknüpfung zu Ihrem Besitzer um; zeigt der Hund dieses Verhalten regelmäßig, kann man ggf. auch schon früher zu Phase 2 übergehen.
Phase 2
1. Man kündigt den Griff in das Brustgeschirr durch das in Phase 1 etablierte Signal an.
2. Unmittelbar nach dem Signalwort greift man wie schon vorher geübt in das Brustgeschirr des Hundes, hält ihn fest und baut dann leichten Zug am Geschirr auf.
3. Sobald man merken, dass der Hund dem Zug nachgibt (wenn auch nur minimal), kommt das Markersignal (hier isses dann wirklich sinnvoll eins zu haben, damit man den Moment des Nachlassens punktgenau einfangen kann) man hält das Geschirr OHNE weiter daran zu ziehen weiter fest und belohnt den Hund mit einem Leckerchen.
4. Die Hand bleibt wieder so lange am Geschirr, bis der Hund seine Belohnung aufgegessen hat.
Das waren jetzt alles klassisch konditionierte Entspannungssignale, das heißt, der Hund musste bisher kein bestimmtes Verhalten zeigen (außer eben entspannt sein). Man kann aber auch tatsächliche Übungen zur Entspannung nutzen. Eine entspannte Körperhaltung, das Strecken und Dehnen von Muskeln verändert den inneren Zustand, man entspannt sich dadurch quasi automatisch ein wenig. Das kann man nutzen, wenn man dem Hund so banale "Tricks" wie einen Diener beibringt (dehnt den ganzen Rücken, den Hals, die Hinterbeine) oder das plumpe Jäger-Down.
Verbeugen
Ziel: Der Hund geht auf Signal in die Vorderkörpertiefstellung und dehnt dadurch seine Rückenmuskulatur.
Passiver Aufbau
1. Der Hund streckt sich in der Vorderkörpertiefstellung, z.B. nach dem Aufstehen.
2. Man gibt das künftige Signal für verbeugen, z.B. „Diener“, „verbeugen“, „mach dich lang“.
3. Dann gibt man das Markersignal solange der Hund sich noch in dieser Haltung befindet und er bekommt eine Belohnung.
Auch hier ist es mit Marker wieder wesentlich einfacher, zeitgenau das gewünschte Verhalten einzufangen. Wenn ich keinen Marker nutze habe ich kaum eine Chance das Leckerchen noch pünktlich genug in den Hund zu kriegen um eine Verknüpfung zwischen Signal und Verhalten zu erreichen.
Aktiver Aufbau
1. Man führt den Hund mit Hilfe eines Targets (nicht mit Leckerchen locken! bei Fragen dazu schreien) in die Vorderkörpertiefstellung.
2. Zu Anfang markiert und belohnt man bereits die ersten Ansätze des Hundes den Vorderkörper abzusenken.
3. Man formt dann das Verhalten, bis der Hund tatsächlich in der Vorderkörpertiefstellung ist.
4. Wenn der Hund das Verhalten zuverlässig auf das Target hin ausführt, sagt man ihm das entsprechende Signal BEVOR er das Verhalten ausführt.
5. Wenn man sich sehr sicher ist, dass der Hund die Vokabel verstanden hat, verlangt man die Ausführung des Verhaltens ohne Hilfe des Targets.
6. Sobald der Hund das Verhalten zuverlässig auf Signal hin zeigt, übt man an verschiedenen Orten oder beginnt die Dauer des Verhaltens auszubauen.
7. Wie bei jeder Übung immer nur eine Anforderung zu einer Zeit erhöhen.
Down
Ziel: Der Hund legt sich auf Signal flach auf den Boden, den Kopf hat er dabei zwischen den Pfoten ebenfalls auf dem Boden liegen. Dadurch wird die Nackenmuskulatur gedehnt.
Da die meisten Hunde nur selten von sich aus ein „Down“ zeigen wird hier nur der aktive Aufbau beschrieben. Sollte Ihr Hund diese Körperhaltung allerdings oft genug von selbst zeigen, können Sie die Übung auch passiv aufbauen, analog dem passiven Aufbau für das Verbeugen.
Aufbau
1. Man führt den Hund mit Hilfe eines Targets in die „Down“-Position.
2. Zu Anfang markiert und belohnt man bereits die ersten Ansätze des Hundes sich hinzulegen.
3. Dann formt man das Verhalten, bis der Hund so liegt, dass sich sein Kopf zwischen den Pfoten befindet.
4. Wenn der Hund das Verhalten zuverlässig auf das Target hin ausführt, sagen man ihm das entsprechende Signal BEVOR er das Verhalten ausführt.
5. Rest siehe Verbeugen.
Verbeugen und Down sind Entspannungsübungen, die man sehr gut einsetzen kann, wenn der Hund eine aufregende Situation (Streit mit anderen Hunden, Angstauslöser, etc.) hinter sich gebracht hat. Man sollte den Ort des Geschehens nach so etwas in keinem Fall sofort und mit aufgeregtem Hund verlassen, weil dabei immer die Gefahr besteht, dass der Hund die Erregung (Angst, Aggression) mit dem Ort verbindet. Besser ist es, wenn man den Hund zuerst durch aktive und/oder passive Entspannung auf ein halbwegs akzeptables Erregungsniveau bringt, der Hund sollte ansprechbar sein und dann irgendeine Übung machen dürfen, die er wirklich gut kann und rein positiv gelernt hat (Pfötchen geben zum Beispiel), damit er als letzten Eindruck etwas anderes mitnimmt, als Stress, Aufregung, Angst oder Aggressionen.
Bei allen Entspannungsübungen muss man daran denken, die Signale immer wieder „aufzuladen“, also mit der Entspannung zu verknüpfen. Denn wenn man die Signale immer nur in für den Hund aufregenden Situationen anwendet, kehrt sich die Verknüpfung um, wie ich oben schon geschrieben habe: Für den Hund werden die Signale zum Hinweis, dass gleich etwas Aufregendes passiert!
So, ich hoffe ich hab das so erklärt, dass man es auch verstehen kann. Wenn ihr Fragen habt, immer her damit.
Bitte denkt dran: Der Text unterliegt meinem Copyright. kopiert also bitte nichts raus, um es dann in anderen Foren einzustellen etc. Wenn ihr den Text verwenden möchtet fragt bitte vorher.
hier nun der versprochene Faden zum Thema Entspannung. Ich hoffe, dass der ein oder andere einen Nutzen für sich und seine(n) Hund(e) daraus ziehen kann.
Konditionierte Entspannung im Hundetraining
Es gibt verschiedene Wege Entspannung auszulösen und das Tollste ist, dass man den entspannten Zustand sogar konditionieren kann. Ich kann Entspannung also auf ein akustisches, ein optisches oder ein taktiles Signal und sogar auf einen Geruch hin auslösen.
Ziel der Entspannung in kritischen, aufregenden oder angstauslösenden Situationen ist immer nur den Hund wieder ANSPRECHBAR zu machen, der Hund soll und wird nicht relaxt auf die Seite kippen und wohlig grunzen, wenn er ein Entspannungssignal (auch unterbewusst) wahrnimmt, wenn er gerade tösend in der Leine hängt, weil er seinen Todfeind erblickt hat. Aber die Chancen sind gut, dass der Hund nach richtigem Aufbau des Signals (oder der Signale) zumindest wieder ansprechbar wird und ich dann ein Alternativverhalten abfragen kann, das ist der eigentliche Knackpunkt. Das Entspannungstraining dient also nicht dazu, dass ich einen dauerentspannten Hund mit mir durchs Leben schweben lasse (das funktioniert leider nicht), sondern es ist ein Hilfsmittel um Training möglich zu machen und manchmal auch um aus wirklich schlimmen Situationen nicht total hilflos und demprimiert herauszugehen.
Nutzen kann man die antrainierte Entspannung in ALLEN Situationen in denen der Hund so hoch erregt ist, dass einfach gar nichts mehr geht. Es ist egal ob das nun Jagen, Angst oder Aggression ist, ob der Hund beim Spielen zu sehr hochfährt oder vor Freude über Besuch oder den besten Hundekumpel total aus dem Häuschen ist.
So, dann los, die verschiedenen Möglichkeiten Entspannung zu verknüpfen und anschließend auszulösen:
Konditioniertes Entspannungssignal
Der entspannte Zustand des Hundes wird mit einem Signalwort verknüpft. Mit dem Aufbau dieses Signals beginnt man am besten in der Wohnung (wie bei allen Signalen: Zuerst keine Ablenkung, dann langsam steigern). Man hat zwei Möglichkeiten dieses Signal aufzubauen: Entweder aktiv, das heißt ich bringe meinen Hund durch streicheln, massieren, etc. dazu, sich zu entspannen oder aber man wartet, dass der Hund sich von selbst entspannt. Wenn man beide Arten des Aufbaus nutzen möchte, verwendet man auch das gleiche Signal, beide Aufbauarten haben ja das leiche Ziel.
Bei der Auswahl des Aufbaus muss man auf sehr auf den Hund achten: Es gibt Hunde, die sich durch Berührungen nicht entspannen können, sondern sich noch mehr aufregen! Bei solchen Hunden lässt man den aktiven Aufbau des Entspannungssignals bleiben und man bautdas Signal rein passiv auf. Es gibt auch Hunde bei denen funktioniert gar nichts von beidem, weil sie durch Berührungen nicht entspannen und beim Aussprechen des Signals schon wieder aktiv werden. Bei solchen Hunden kann man die Entspannung dann z.B. mit einem Geruch oder einer bestimmten Decke verknüpfen, dazu unten mehr.
Als Entspannungssignal eignen sich Wörter, die sich dumpf und lang gezogen aussprechen lassen, z.B. „ruuuuuuuhig“, „schlaaaaaafen“.
Passiver Aufbau
1. Der Hund kommt zur Ruhe und legt sich hin.
2. Auf Zeichen der Entspannung achten, wie zum Beispiel Seitenlage oder tiefes Seufzen.
3. In diesen Zustand hinein das Entspannungssignal sagen.
4. Den Hund dabei besser nicht direkt ansehen, manche Hunde werden dadurch wieder aktiv, weil sie sich angesprochen fühlen.
5. Wiederholen des Signals, wann immer der Hund sich entspannt.
6. Nach ca. 20 bis 30 Wiederholungen kann man das Signal in aufregenden Situationen anwenden.
7. Das Signal zu Hause immer wieder aufladen, um zu vermeiden, dass die Verknüpfung sich umkehrt und das Signal eine Ankündigung für Aufregung wird.
Aktiver Aufbau
1. Man beginnt damit, den Hund ruhig und fest zu streicheln und zu massieren.
2. Dabei genau darauf achten, ob die Berührungen dem Hund zu mehr Entspannung verhelfen; ist das nicht der Fall kann man die Art der Berührung verändern und herausfinden, was dem Hund wirklich gefällt und ihn entspannen lässt.
3. Sobald man merkt, dass der Hund sich entspannt, sagen man das Entspannungssignal, am besten ist es, wenn man den Hund in die Seitenlage streicheln/massieren kann (der Hund soll selber umkippen, nicht umgekippt werden!)
4. Rest, siehe Passiver Aufbau.
Konditionierte Entspannung über Geruch
Der entspannte Zustand des Hundes wird mit einem speziellen Duft, der auf ein Halstuch aufgebracht wird, verknüpft. Wissenschaftlich erwiesen ist eine beruhigende Wirkung der ätherischen Öle von Lavendel, Kamille und Rose. Es kann auch jeder andere Duft mit Entspannung verknüpft werden, bei genannten Ölen hat man einfach eine zweifache Wirkung.
Wichtig ist, dass das verwendete Öl aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) stammt, damit geht man sicher, dass keine Schwermetalle oder Pestizide enthalten sind, die den Hund ggf. schädigen könnten, falls er das Öl ablecken sollte. Außerdem muss das Öl dringend verdünnt werden, ansonsten wird die Hundenase gequält und das ist der Entspannung nicht gerade zuträglich.
Verdünnen kann man das Duftöl mit neutralem Öl, wie zum Beispiel Raps-, Mandel- oder Sojaöl. Als Faustregel gilt: Ein Tropfen Duftöl auf zehn Tropfen neutrales Öl.
Der Aufbau des Dufttüchleins entspricht dem, des Entspannungssignals, nur dass man nicht das Entspannungswort sagt, wenn der Hund sich entspannt oder man ihn in die Entspannung gebracht habt, sondern ihm das Tüchlein in die Nähe des Kopfes legt. Nach etwa zwei Wochen und mindestens zweimal pro Tag, sollte die Verknüpfung zwischen Geruch und Dufttüchlein stattgefunden haben.
Das Tüchlein kann nun zum Beispiel bei Tierarztbesuchen oder Stadtspaziergängen genutzt werden.
Des Weiteren bietet das Tüchlein auch die Möglichkeit Hunde zu unterstützen, die Probleme mit dem Alleine bleiben haben. An die zwei Wochen Konditionierung der Entspannung wie oben beschrieben, schließen sich zwei weitere Wochen an, in denen der Hund lernt, dass sich nun niemand mit ihm beschäftigt:
Aufbau
1. Man legt dem Hund das bereits mit Entspannung verknüpfte Dufttüchlein um.
2. Ab diesem Zeitpunkt wird der Hund vollkommen ignoriert, d.h: Der Hund wird nicht angeschaut, nicht angefasst, nicht angesprochen!
3. Sobald der Hund sich zur Ruhe legt oder sich selbst beschäftigt (z.B. mit Kauartikeln) wird er noch mindestens eine weitere halbe Stunde ignoriert.
4. Wenn man sich wieder mit dem Hund beschäftigen möchte, nimmt man das Dufttüchlein ab und verpackt es am besten in einem Plastikbeutel mit Reißverschluss.
5. Nach Ablauf der zwei Wochen legt man dem Hund das Tüchlein an, wann immer er alleine gelassen wird.
Wenn man das Dufttüchlein für das Alleine bleiben des Hundes nutzen möchten, sollten man sich für andere Situationen (wie oben beschrieben z.B. Tierarztbesuch) zusätzlich einen anderen Duft aufbauen, damit der Duft für das Alleine bleiben seine eindeutige Bedeutung behält.
Geschirrgriff
Entspannung wird mit einem Griff in das Brustgeschirr des Hundes verknüpft. Das ist vor allem bei Aggressionsverhalten von großem Vorteil. Der Hund lernt den Griff in das Geschirr als etwas Positives kennen, konditionierte Entspannung wird ausgelöst und man kann den Hund sicher festhalten ohne die Erregung, die durch körperliche Einschränkung im Normalfall entsteht, auszulösen. Der Aufbau gliedert sich in zwei Phasen. In Phase 1 lernt der Hund zunächst nur, dass der Griff in das Geschirr nichts Schlimmes ist. In Phase 2 wird dann der entspannte Zustand noch miteinbezogen.
Aufbau
Phase 1
1. Man kündigt den Griff in das Brustgeschirr durch ein Signalwort an, z.B. „Geschirr“ oder „halten“.
2. Unmittelbar nach dem Signalwort (das ist ganz wichtig, erst Signal, dann reingreifen, damit die Verknüpfung richtig hinhaut) greift man in das Brustgeschirr des Hundes und hält ihn kurz fest.
3. Dann gibt man das Markersignal (wer damit nicht arbeitet lässt es eben weg) und belohnt den Hund mit einem Leckerchen, während man den Hund noch festhält.
4. Den Hund erst loslassen, wenn er das Leckerchen aufgegessen hat!
5. Dann langsam die Zeit des Festhaltens steigern; dabei kann man den Hund auch mit einem Keep-Going-Signal unterstützen (wer dazu was wissen will, bitte melden, das sprengt jetzt den Rahmen) bis er das Markersignal und die Belohnung bzw. nur die Belohnung bekommt.
6. Diese Verknüpfungssequenz mindestens 200 Mal wiederholen (hört sich irre viel an, geht aber ziemlich schnell, wenn man das nebenbei immer wieder über den Tag verteilt macht, +/- 10 Tage) , erst dann geht man zu Phase 2 über.
7. Viele Hunde orientieren sich nach erfolgreicher Verknüpfung zu Ihrem Besitzer um; zeigt der Hund dieses Verhalten regelmäßig, kann man ggf. auch schon früher zu Phase 2 übergehen.
Phase 2
1. Man kündigt den Griff in das Brustgeschirr durch das in Phase 1 etablierte Signal an.
2. Unmittelbar nach dem Signalwort greift man wie schon vorher geübt in das Brustgeschirr des Hundes, hält ihn fest und baut dann leichten Zug am Geschirr auf.
3. Sobald man merken, dass der Hund dem Zug nachgibt (wenn auch nur minimal), kommt das Markersignal (hier isses dann wirklich sinnvoll eins zu haben, damit man den Moment des Nachlassens punktgenau einfangen kann) man hält das Geschirr OHNE weiter daran zu ziehen weiter fest und belohnt den Hund mit einem Leckerchen.
4. Die Hand bleibt wieder so lange am Geschirr, bis der Hund seine Belohnung aufgegessen hat.
Das waren jetzt alles klassisch konditionierte Entspannungssignale, das heißt, der Hund musste bisher kein bestimmtes Verhalten zeigen (außer eben entspannt sein). Man kann aber auch tatsächliche Übungen zur Entspannung nutzen. Eine entspannte Körperhaltung, das Strecken und Dehnen von Muskeln verändert den inneren Zustand, man entspannt sich dadurch quasi automatisch ein wenig. Das kann man nutzen, wenn man dem Hund so banale "Tricks" wie einen Diener beibringt (dehnt den ganzen Rücken, den Hals, die Hinterbeine) oder das plumpe Jäger-Down.
Verbeugen
Ziel: Der Hund geht auf Signal in die Vorderkörpertiefstellung und dehnt dadurch seine Rückenmuskulatur.
Passiver Aufbau
1. Der Hund streckt sich in der Vorderkörpertiefstellung, z.B. nach dem Aufstehen.
2. Man gibt das künftige Signal für verbeugen, z.B. „Diener“, „verbeugen“, „mach dich lang“.
3. Dann gibt man das Markersignal solange der Hund sich noch in dieser Haltung befindet und er bekommt eine Belohnung.
Auch hier ist es mit Marker wieder wesentlich einfacher, zeitgenau das gewünschte Verhalten einzufangen. Wenn ich keinen Marker nutze habe ich kaum eine Chance das Leckerchen noch pünktlich genug in den Hund zu kriegen um eine Verknüpfung zwischen Signal und Verhalten zu erreichen.
Aktiver Aufbau
1. Man führt den Hund mit Hilfe eines Targets (nicht mit Leckerchen locken! bei Fragen dazu schreien) in die Vorderkörpertiefstellung.
2. Zu Anfang markiert und belohnt man bereits die ersten Ansätze des Hundes den Vorderkörper abzusenken.
3. Man formt dann das Verhalten, bis der Hund tatsächlich in der Vorderkörpertiefstellung ist.
4. Wenn der Hund das Verhalten zuverlässig auf das Target hin ausführt, sagt man ihm das entsprechende Signal BEVOR er das Verhalten ausführt.
5. Wenn man sich sehr sicher ist, dass der Hund die Vokabel verstanden hat, verlangt man die Ausführung des Verhaltens ohne Hilfe des Targets.
6. Sobald der Hund das Verhalten zuverlässig auf Signal hin zeigt, übt man an verschiedenen Orten oder beginnt die Dauer des Verhaltens auszubauen.
7. Wie bei jeder Übung immer nur eine Anforderung zu einer Zeit erhöhen.
Down
Ziel: Der Hund legt sich auf Signal flach auf den Boden, den Kopf hat er dabei zwischen den Pfoten ebenfalls auf dem Boden liegen. Dadurch wird die Nackenmuskulatur gedehnt.
Da die meisten Hunde nur selten von sich aus ein „Down“ zeigen wird hier nur der aktive Aufbau beschrieben. Sollte Ihr Hund diese Körperhaltung allerdings oft genug von selbst zeigen, können Sie die Übung auch passiv aufbauen, analog dem passiven Aufbau für das Verbeugen.
Aufbau
1. Man führt den Hund mit Hilfe eines Targets in die „Down“-Position.
2. Zu Anfang markiert und belohnt man bereits die ersten Ansätze des Hundes sich hinzulegen.
3. Dann formt man das Verhalten, bis der Hund so liegt, dass sich sein Kopf zwischen den Pfoten befindet.
4. Wenn der Hund das Verhalten zuverlässig auf das Target hin ausführt, sagen man ihm das entsprechende Signal BEVOR er das Verhalten ausführt.
5. Rest siehe Verbeugen.
Verbeugen und Down sind Entspannungsübungen, die man sehr gut einsetzen kann, wenn der Hund eine aufregende Situation (Streit mit anderen Hunden, Angstauslöser, etc.) hinter sich gebracht hat. Man sollte den Ort des Geschehens nach so etwas in keinem Fall sofort und mit aufgeregtem Hund verlassen, weil dabei immer die Gefahr besteht, dass der Hund die Erregung (Angst, Aggression) mit dem Ort verbindet. Besser ist es, wenn man den Hund zuerst durch aktive und/oder passive Entspannung auf ein halbwegs akzeptables Erregungsniveau bringt, der Hund sollte ansprechbar sein und dann irgendeine Übung machen dürfen, die er wirklich gut kann und rein positiv gelernt hat (Pfötchen geben zum Beispiel), damit er als letzten Eindruck etwas anderes mitnimmt, als Stress, Aufregung, Angst oder Aggressionen.
Bei allen Entspannungsübungen muss man daran denken, die Signale immer wieder „aufzuladen“, also mit der Entspannung zu verknüpfen. Denn wenn man die Signale immer nur in für den Hund aufregenden Situationen anwendet, kehrt sich die Verknüpfung um, wie ich oben schon geschrieben habe: Für den Hund werden die Signale zum Hinweis, dass gleich etwas Aufregendes passiert!
So, ich hoffe ich hab das so erklärt, dass man es auch verstehen kann. Wenn ihr Fragen habt, immer her damit.
Bitte denkt dran: Der Text unterliegt meinem Copyright. kopiert also bitte nichts raus, um es dann in anderen Foren einzustellen etc. Wenn ihr den Text verwenden möchtet fragt bitte vorher.