Unerwünschtes Verhalten ignorieren

manurtb
Mögt ihr mal erzählen, welche Erfolge ihr damit hattet, unerwünschtes Verhalten zu ignorieren?
Wann bringt es was und wann eher nicht?

Wie sieht es bei aufmerksamkeitsheischendem Verhalten aus? Ist es da eher gut, zu ignorieren?
memo
Aufmerksamkeitheischendes Verhalten kann ich ziemlich gut ignorieren. großes Grinsen

Problematisch wird es nur, wenn das Verhalten extrem selbstbelohnend ist (Lautäußerungen zum Beispiel fallen mir da auf Anhieb ein).

Aber wenn es rein darum geht, meine Aufmerksameit zu bekommen, kann ich ziemlich stoisch sein. Auslach
manurtb
Schaust Du Dir das Gegenüber an, welche Art des Aufmerksamkeitsheischenden Verhaltens es zeigt?
Ich denke, wenn ein Tier total hibbelig ist und sich immer so verhält, dann ist es eher so, dass dem Tier nicht wirklich auffällt, dass es sich so verhält. Und somit bekommt es das ignorieren auch nicht mit.
Wenn Du aber bemerkst, dass es nur darum geht, eine Reaktion von Dir zu bekommen, dann macht das Verhalten ohne Reaktion des Menschen nicht wirklich viel Spaß für das Tier, oder?
memo
Kommt ganz auf das Tier an. Gibt welche, denen ist es völlig Hupe, ob Du es ignorierst oder nicht, die machen einfach weiter...selbst wenn man den Löschungstrotz mit einrechnet...

Aber es gibt welche, die brauchen dringend Deine Aufmerksamkeit, sonst sind sie nicht glücklich. Da kannste unerwünschtes Verhalten ganz gut ignorieren, das ist dann relativ schnell gelöscht. Aber man sollte trotzdem auch hier den Löschungstrotz nicht außer acht lassen.

Schlaumeier1
Esther
Hallo Manuela,

ein schnelles Bsp. von Zarahzaubermaus in ganz jungen Jahren mit mir als sehr unwissendes "Frauchen":

Zarah sprang gerne an mir (und anderen) hoch. Anleitung der Trainer:
Ingoniere sie und dreh dich notfalls weg...
Zarah lernte höher und heftiger zu springen.. am Höhepunkt der Sprungkarriere skalpierte sie mich fast....


später als die Trainer scheinbar auch merkten, dass dies so bei uns nicht "funktionierte" sollte ich verbal unterbrechen:
nein, aus, hör auf... brachte sie nur noch mehr in Rage.



LG Esther
memo
Joa, genau, was mir dazu noch einfällt: Alternativverhalten antrainieren. Brav hinsetzen statt loszupoltern gehört dazu. großes Grinsen
Marco
Moin zusammen,

ignorieren kann doch überhaupt nur bei aufmerksamkeitsheischendem Verhalten funktionieren, oder? Bei allen anderen unerwünschten Verhaltensweisen habe ich ein Problem damit, mir vorzustellen, wie das "Ignorieren" Verstärker entziehen könnte.

Aber auch bei aufmerksamkeitsheischendem Verhalten klappt m.E. das "Ignorieren" nur selten, da solches Verhalten oft eine angeborene Komponente hat, wie z.B. das Anspringen bei der Begrüßung. Selbst wenn man da standhaft, wie eine Statue ist, spätestens wenn Tante Mimi zu Besuch kommt und die sich über ihren Liebling freut, war's das dann...

Alternativverhalten zu üben klappt da m.E. tatsächlich am besten und schnellsten und ist auch einigermaßen resistent gegen Tante Mimi. Zwinker

Ignorieren klappt ganz gut, wenn Klara am Anfang einer Klickersitzung ihr ganzes Repertoire abspult oder sie mir ihren Kopf unter den Ellbogen schiebt, wenn ich am Schreibtisch sitze und sie sich langweilt (wie jetzt gerade). Wenn sie sich dann aber auf meine Füße legt, erreiche ich mit ignorieren auch nix mehr. großes Grinsen

Nicht direkt als Ignorieren würde ich es bezeichnen, wenn der angeleinte Hund draußen anfängt sich aufzuspulen und man dann stoisch den Baum macht. Okay, man "ignoriert" den Hund insofern, als dass man sich nicht zu aktivem Verhalten hinreißen lässt, aber die Leine hindert den Hund ja doch recht deutlich an der Durchführung seiner Absichten. Selbst hier nutzt es nichts, wenn man dann kein Alternativverhalten übt, sobald der Hund sich wieder ansprechbar zeigt.

Besten Gruß.
Marco
manurtb
Zitat:
Original von memo
Joa, genau, was mir dazu noch einfällt: Alternativverhalten antrainieren. Brav hinsetzen statt loszupoltern gehört dazu. großes Grinsen

Da hast Du Recht... Das ist so ziemlich das wichtigste...
Gerade, weil es auch die Aufmerksamkeit teilt und somit Frustrationstoleranz einfacher zu üben ist.
diala
Wink

Zitat:
Original von manurtb
Mögt ihr mal erzählen, welche Erfolge ihr damit hattet, unerwünschtes Verhalten zu ignorieren?
Wann bringt es was und wann eher nicht?

Wie sieht es bei aufmerksamkeitsheischendem Verhalten aus? Ist es da eher gut, zu ignorieren?


Es bringt nur bei aufmerksamkeitheischendem Verhalten was, wenn meine Aufmerksamkeit der einzige Verstärker ist.

Beim Terrie ging das ganz gut bei bestimmten "Tu was mit mir mach was mit mir" Verhalten daheim und beim "Tu was mit mir mach was mit mir"-Anbellen draußen. Einige kennen ja Terrie und wissen, dass er aus allen möglichen Gründen bellt rotes Gesicht aber er bellt mich in normalen Kontext tatsächlich so gut wie gar nicht mehr rein aus "beschäftige dich mit mir" an.

Ich erkenn bei ihm das aufmerksamkeitheischende Verhalten daran, dass er mich dabei immer ansieht, es ist immer direkt an mich (bwz. einen Menschen) gerichtet & daran, ob es schwächer wird, wenn ich nicht darauf eingehe. Klingt total platt, aber im Endeffekt ist das halt der einzige Beweis für mich, weil ich eben ein Hund hab, der aus den verschiedensten Gründen so Verhalten zeigt.

Ich hab bewußt kein Alternativverhalten eingeführt, sobald er anfängt mit genau dem Verhalten. Verstärkt es nur noch mehr. Gerade dem Terrie hat es gut getan zu lernen - man erreicht nicht alles was man will.

LG
diala
Bollerkopp
Wink

Und wie hats der Terrie dann gelernt? Also dass er Dich nicht mehr anbellt, um Beschäftigung zu bieten?
Hat er das Bellen einfach eingestellt weil er merkte, es passiert nichts?

Ich kenn einige Hunde, die dann trotzdem weiter bellen.

Gruß Regine
diala
Wink

Zitat:
Original von Bollerkopp
Und wie hats der Terrie dann gelernt? Also dass er Dich nicht mehr anbellt, um Beschäftigung zu bieten?
Hat er das Bellen einfach eingestellt weil er merkte, es passiert nichts?


Wie: ich hab mich umgedreht und ihn ignoriert bis er ruhig war. Nicht angesehen, nicht bewegt.

Ja er hat das Bellen dann eingestellt. Anfangs nach so... hm... 5 Minuten?

Er stellt sich jetzt nicht mehr vor einen Stock und bellt mich an, damit ich den werfe.
Er stellt sich nicht hin und bellt mich an, damit ich ihm den Keks suche, den ich auf dem Boden versteckt hab.

Er verfällt immer noch schnell ins Bellen, wenn er aufgekratzt ist (also die meisten kennen ihn ja *g*), aber mir gegenüber hat er das zielgerichtete Bellen stark reduziert.

Ich seh den Unterschied deutlich, wenn Männe dabei ist. Versteck ich bspw. Futterbeutel alleine, sucht er ihn. Sucht auch gründlich. "Fragt" vielleicht 1-2 Mal kurz an ob ich ihm helfe (aber still). Ist der Männe dabei, war es anfangs so, dass ich Beutel versteckt hab (sehr leicht versteckt...) er zwei drei Meter gelaufen ist und geschaut hat, dann hat er sich umgedreht & Männe angeschaut und ihn angebellt. K.O. Er hat mich nicht angeschaut dabei. Als ich mich zwischen ihn und Männe gestellt hab, ist er um mich rum um weiter den Männe anzuschauen beim Bellen.

Mittlerweile sag ich vorher bescheid "es reicht". Das ist eine Ankündigung fürs Ignorieren. So ein halber Negativ-Marker.

Der Terrie bellt in tausend anderen Situationen auch einfach weiter, ob ich ihn ignoriere oder nicht ist da grad egal.

Deswegen sag ich ja, es geht nur dann, wenn es aufmerksamkeitsforderndes Verhalten ist, bei dem meine Aufmerksamkeit der einzige Verstärker ist.

Häufig ist ja alleine das Bellen als Ventil schon verstärkend.

LG
diala
Wegwarte
Hier hat die Betty angefangen immer öfter und länger zu bellen, wenn sie wusste, dass wir demnächst mit ihr spazieren gehen. Ich dachte mir: "Ignorier sie einfach, dann stellt sie die Bellerei schnell wieder ab". Das Gegenteil war der Fall. Sie hat sich immer mehr reingesteigert.

Nun breche ich jegliche Tätigkeit in Richtung Raus gehen ab, sobald sie anfängt zu bellen und mache erst weiter, wenn sie wieder runter gekommen ist. Nach einigen malen hatte sie es verstanden und bellt jetzt nur noch selten mal kurz, hört aber direkt wieder auf, weil ich dann gemütlich auf der Couch sitze und nicht mit ihr raus gehe.

Auch ihre Ängste sollten wir anfangs ignorieren....brachte uns nicht wirklich weiter. Seit wir bei Unsicherheit mit ihr sprechen oder sie bei richtiger Panik in den Arm nehmen, überwindet sie ihre Ängste viel schneller und erscheint mir insgesamt sicherer.

Spontan fällt mir nur ein Beispiel ein. Betty kratzte anfangs an den Türen. Wir haben sie dann mit Karton verklebt und das Kratzen an den Türen ignoriert und erst dann die Türen geöffnet, wenn sie es unterließ. Das hat gewirkt.
corainka
Wenn Corazón ungeduldig ist, pienzt sie und das in irren Frequenzen. Ich igonoriere das völlig. Wenn sie damit aufhört, geht's weiter/raus, wenn nicht, dann eben nicht. Mittlerweile hat sie kapiert, daß es nix bringt und sie wartet brav.
Sie hat früher auch versucht, sich durch die Heckklappe zu kratzen, nutzte auch nix großes Grinsen wenn ie nicht mehr gekratzt hat, ging die Heckklappe auf, vorher nicht und ich habe viiiiieeeel Zeit gehabt.
Dahra
Ich seh das so wie Mirjam und ich muss sagen, ich hätte mit Ignorieren nur bei Emma Erfolg, wenn die mal driiiiingend meine Aufmerksamkeit haben will, ich aber grad net ihre... Auslach Die würde sich dann irgendwann schleichen. Mach ich aber net, weil es für mich einfacher ist, ihr einfach zu sagen, was ich will. Ich sag ihr dann halt jetzt net, leg dich hin oder sowas.

Bei Maya braucht man gar nicht erst auf die Idee kommen, sie bei irgendwas zu ignorieren. Erstens wird sie dann laut oder noch lauter, im Zweifelsfall haut sie mich. (Maya muss mit Mira verwandt sein.) Der muss ich immer was sagen oder ihr Verhalten umlenken, zur Not hätte ich noch den Negativmarker (aufgebaut mit einmaliger 30-Sekunden Auszeit im Gästeklo, danach noch einmal mit Erfolg ohne Konsequenz verwendet, bisher nie wieder nötig gewesen).
Thaleia
Zitat:
Original von Dahra
im Zweifelsfall haut sie mich.


Oder sie haut ab Auslach Auslach Auslach Diese kleine ignorante Bestie Burning Wie die mich veräppelt hat. Und auch DA hat ignorieren gar nix geholfen. Und nicht ignorieren auch net. NIX hat geholfen Heul
diala
Wink

Beim Terrie ist das mit Verhalten-umlenken kritisch. Kriegt er ja was zu tun - super! Belohnt! rotes Gesicht Das Problem haben wir ja, wenn er draußen so viel kläfft wenn er arg aufgeregt ist. Klar kann ich ihn da ruhig halten wenn ich ständig "nicht-bellen" belohne und was mit ihm mache, aber das Erregungsniveau bleibt dabei halt (und natürlich die endlose "draußen mit Mensch = nix mit Ruhe"-Verknüpfung). Ignorieren nutzt in dem Fall auch nix, da gehts nicht rein um mich.

Ergänzend aber noch... bei den aufmerksamkeitsheischenden Dingen achte ich parallel immer darauf, dass es möglichst keinen Grund gibt, dass er sich so verhalten muss. Sprich, ich kümmer mich um ihn und mach was mit ihm wenn er ruhig ist etc. Gerade hat der Terrie daheim wieder eine sehr nervige Phase rotes Gesicht und ist ständig am mosern und jammern und anstubsen. Kaum fing es an, haben wir überlegt - was hat er? (beim letzten Mal wars ja ne Bauchspeicheldrüsenentzündung K.O. ) und gemerkt - ok wir haben grad beide sehr viel Stress und arbeiten zuhause sehr viel. Die Katzen nimmste am Rechner aufn Schoß großes Grinsen dann sind die happy. Bei Terrie geht das klar nicht... wird die Terrie-exklusiv Zeit zu wenig, fängt er eben mit so einem Verhalten an. Also... auf Verhalten nicht eingehen und darauf achten, dass Exklusiv-Zeiten ausreichend da sind (wenn er ruhig ist) großes Grinsen

LG
diala